Beckenbodenübungen

Beckenbodenübungen und weibliches Selbstbewusstsein – Interview mit Trainerin und Coach Ulya

Das Thema Beckenboden spielt für viele Frauen eine große Rolle. Nicht nur, aber auch speziell (junge) Mütter möchten mehr darüber erfahren. Gleichzeitig werden diese Themen der Weiblichkeit häufig mit Scham belegt. Das oft frauenfeindliche Marketing großer Unternehmen verhindert zusätzlich, dass Frauen sich selbstbewusst mit ihrer Weiblichkeit, Sexualität und Gesundheit auseinandersetzen. Beckenbodenübungen und weibliches Selbstbewusstsein – Interview mit Trainerin und Coach Ulya.

Beckenbodentrainerin und Coach Ulya

Ulya hat sich als Beckenbodentrainerin und somatischer Frauencoach selbstständig gemacht. Mit ihren Angeboten rund um die Beckenbodengesundheit hat sie eine wichtige Lücke zwischen Medizin und weiblicher Sexualität geschlossen. Ulya bietet verschiedene Kursen und Workshops zu Themen wie Schwangerschaft, Rektusdiastase, Rückbildung, Vaginismus und Sexualität.

Ihr umfassendes Wissen basiert auf verschiedenen Aus- und Fortbildungen, unter anderem zu den Konzepten Restore Your Core (RYC®) und Sexological Bodywork. Ulya bietet individuelle Eins-zu-eins-Coachings, Gruppentrainings, Audio-Formate etc. an. Dabei ist es ihr besonders wichtig, die Teilnehmerinnen mit Atmung, Bewegung, Stimme und Berührung auf ihrem Weg und in ihrem Tempo zu begleiten.

Beckenbodengesundheit und weibliches Selbstbewusstsein – das Interview

Wir haben vor einiger Zeit Ulyas spannende Posts auf Instagram entdeckt haben. Kaum jemand versteht es wie sie, glaubwürdig und emphatisch, aber gleichzeitig humorvoll und locker mit wichtigen Themen der weiblichen Gesundheit und Sexualität umzugehen. Netterweise hat sich Ulya sofort bereit erklärt, ein Interview mit uns durchzuführen. Darin hat sie uns auch gleich hilfreiche Tipps für Beckenbodenübungen und -gesundheit gegeben.

Wann bist du zum ersten Mal mit dem Thema Beckenboden in Kontakt gekommen?

Rückblickend war es unbewusst immer schon ein Thema und bewusst ca. 2014/15 in der ersten Ausbildung und seit 2017 seit der Geburt meines ersten Kindes gibt’s nichts anderes mehr.

Wie hat sich mit der Zeit deine Professionalität im Bereich Beckenboden entwickelt?

Naja, wie es glaube ich oft so ist fängt man mit einer Ausbildung an und stellt fest, es gibt Lücken, und zack, folgt die nächste Ausbildung und irgendwie hört es wohl nie auf und man wird jedes Mal schlauer.

Beckenbodenübungen allgemein und nach der Entbindung

Was unterscheidet dein Beckenbodentraining von anderem herkömmlichem Training?

Ich arbeite traumasensibel und versuche Ansagen, die Traumareaktionen auslösen könnten, so gut wie möglich zu meiden bzw. zu minimieren. Hinzu kommt wohl auch, dass ich nie Ansagen wie „Spanne den Beckenboden an“, „Zieh den Bauchnabel zur Wirbelsäule“ oder „Schulterblätter zurück“ mache – also zumindest in keinem Kurs.

In einem Workshop „Eigenuntersuchung“ gehe ich auf Kegelübungen (Anspannen-Loslassen) ein, sonst gar nicht.  Außerdem arbeite ich auch somatisch mit Atmung, (vaginaler/analer) Berührung und Stimme.

Die Funktion des Beckenbodens wird Frauen häufig gerade nach der Entbindung deutlich. Welchen Tipp hast du für Mütter im ersten Jahr nach der Entbindung?

Du darfst Pause machen. Du darfst chillen. Und du darfst klagen. Hol dir Unterstützung.

Wie können Frauen im Alltag ihren Beckenboden trainieren und inwieweit kann ich auch mit meiner Ernährung das Training unterstützen?

Kleine Übungen im Alltag, wie zum Beispiel mal das Becken hochlegen und Pause machen, finde ich schon ziemlich gut. Ernährung ist definitiv wichtig. Ich würde auch mal einen großen Check beim Arzt*in machen, wie Vitamin D zum Beispiel, aber dafür gibt es Menschen, die noch kompetenter als ich sind.

Wie gehen Frauen mit dem Thema Beckenboden um? Ist der Begriff und die damit verbundenen Probleme auch mit Scham besetzt?

Die Frauen, die mich finden, wissen eigentlich, was der Beckenboden ist, und benötigen Begleitung. Scham ist wohl das größte Hindernis. Und das Gefühl, allein und kaputt zu sein.

Umgang mit Sexualität und weiblicher Gesundheit in der Gesellschaft

Du brichst ja mit einigen Tabus in deiner Arbeit, indem du über das Verhältnis von Frauen zu ihren Genitalien sprichst und schreibst. Wie ist die Resonanz der Frauen?

Zurückhaltend. Die Neugier ist da, in meinem Postfach landet immer mehr, aber die Scham ist noch größer als die Neugier.

In einer Welt, in der es nur Medizin und Sex gibt, muss ich mir wohl mein Standing noch aufbauen. Dass es auf gewisse Art und Weise eine Welt dazwischen gibt, ist vielen noch schwer vorstellbar. Aber es kommen immer mehr und das ist natürlich mega.

Wie ist, deiner Erfahrung nach, das Verhältnis von Frauen zu ihren Geschlechtsorganen? Spielt das Alter der Frau dabei eine Rolle?

Generell dominiert Scham und Frauen halten sich damit sehr erfolgreich sehr klein, was mir echt das Herz bricht. Es ist so ein Blödsinn, aber das Anti-Frauen-Marketing geht schon so lang und ist sehr erfolgreich. Nun ja, in meiner Welt arbeiten wir am Pro-Frauen-Marketing oder wie immer man es nennen mag.

Ein nächstes Tabuthema, worüber du sprichst, ist das Jungfernhäutchen. Was hat es damit auf sich?

Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich kann nur den Kopf schütteln, über die Art und Weise, wie man versucht, uns zu kontrollieren und uns auf Blut reduziert, das ach so wichtig ist, und, wenn es monatlich fließt, als schmutzig oder widerlich gilt.

Langer Rede, kurzer Sinn: Das Hymen gibt es, aber es verschließt die Vagina nicht und muss nicht durchstoßen werden. Wenn das Menstruationsblut nicht abfließen könnte, hätten wir arge Probleme. Zum Glück gibt’s endlich Literatur zu diesem Thema.

Vielen Dank für die spannenden Antworten, liebe Ulya!

Beckenbodenübungen und weibliches Selbstbewusstsein – Fazit

Wir sehen, dass in diesen Bereichen noch viel zu tun ist. Zum einen geht es hier um mehr Offenheit und Aufklärung in der Gesellschaft. Einmal mehr fällt auf, dass viele Großunternehmen keinen guten Beitrag zu den Themen Gesundheit und Familie leisten. Zum anderen sollten wir Frauen uns selbstbewusster mit „unseren“ Themen auseinandersetzen, unser körperliches Wohlbefinden stärken – und uns entsprechende Unterstützung holen.

Zur Webseite von Ulya mit weiteren Beckenbodenübungen geht es hier >>>

Artikelbild: © Ulyaversum.de

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Die Autoren

Imke

Imke ist Mutter von drei Mädchen im Alter zwischen knapp einem und sechs Jahren. Auf moderne-familie schreibt sie gerne über das Muttersein, Konzepte von moderner Familie, Familienreisen und die heutige Rolle der Frau und Mama.

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