Ernährung und weibliche Gesundheit – natürlich Hormone ins Gleichgewicht bringen

Ernährung und weibliche Gesundheit – Hormone ins Gleichgewicht bringen

Zum Thema der weiblichen Ernährung gibt es viele dominante Meinungen. Beispielsweise von Pharma- und Kosmetikkonzernen, die vor allem Produkte verkaufen wollen. Und auch die Männerwelt mischt sich nach wie vor gerne bei Fragen zur Weiblichkeit eine, obwohl sie aus gesundheitlicher Sicht kaum mitreden kann. Wir haben mit einer Fachfrau über Ernährung und weibliche Gesundheit gesprochen. Natürlich Hormone ins Gleichgewicht bringen – so gelingt es ganz einfach.

Ernährung und weibliche Gesundheit entschlüsselt

Anna Heil beschäftigt sich seit vielen Jahren mit weiblicher Ernährung auf der ganzen Welt. Als ganzheitliche Ernährungsberaterin gibt sie Workshops, um ihr Wissen zu teilen. Ihre Leidenschaft ist es, Frauen und auch Männer auf ihrem Weg zu einem glücklicheren, gesunderen und vollständig ausgerichteten Leben zu begleiten. Wir haben sie für moderne-Familie.de zum Thema Ernährung und weibliche Gesundheit interviewen dürfen.

Wie bist du zum Themenfeld Ernährung und weibliche Gesundheit gekommen?

Wie so häufig – aus eigenem Leidensdruck. Leider wurde mir schon sehr früh, damals war ich 15 Jahre alt, die Pille verschrieben. Grund dafür war, dass ich zu dem Zeitpunkt noch keinen regelmäßigen Zyklus und etwas unreine Haut hatte (was übrigens in dem Alter absolut nicht ungewöhnlich ist). Der weibliche Körper „lernt“ sozusagen erst in der Pubertät, welche Sexualhormone er überhaupt produzieren muss, in welchen Mengen und wie aufeinander abgestimmt.

Das geht bei manchen schneller und bei manchen dauert es etwas länger. Leichte Startschwierigkeiten und damit verbundene Symptome wie unreine Haut sind da nicht selten. Als ich die Pille dann endlich nach über zehn Jahren abgesetzt habe, bin ich nach so vielen Jahren „Fremdregulierung“ und ohne echten Zyklus erst einmal ins komplette Hormonchaos gestolpert. Pickel, Haarausfall, neun Monate lang keine Menstruation.

Aber: Es gab keine Hilfe von meiner Gynäkologin, die mir stattdessen geraten hat, wieder die Pille zu nehmen. Also habe ich mich selbst auf die Suche nach Lösungen gemacht…

Wie unterscheidet sich die ideale Ernährung von Frauen und Männern?

Frauen sind – zumindest in ihren fruchtbaren Jahren – zyklische Wesen. Neben dem 24-Stunden Tag- und-Nacht-Rhythmus, den wir natürlich mit den Männern teilen, haben wir einen Monatszyklus von ca. 25 bis 35 Tagen. Darin fluktuieren unsere Hormonwerte stark. Da Hormone die „heimlichen Herrscher unseres Körpers“ sind, bedeutet das auch, dass dies beispielsweise unseren Stoffwechsel, unseren Muskelaufbau, unser Energielevel und unsere geistigen Fähigkeiten beeinflusst.

Thema Frauenleiden – welche Leiden habe die Frauen hinter sich, die zu dir kommen?

Meist sind das Frauen, die schon lange unter gewissen Symptomen leiden, oft schon verschiedenste Dinge ausprobiert haben. Sie waren bei sämtlichen Ärzten und haben trotzdem keine Antworten auf ihre Fragen bekommen. Was in meinen Augen oft fehlt, ist der ganzheitliche und problembasierte Ansatz.

Statt die Wurzel der Probleme zu ergründen und zu behandeln, werden oft nur Symptome angegangen. Z.B. teure Cremes und Besuche bei der Kosmetikerin, um unreine Haut zu bekämpfen, anstatt hormonelle Dysbalancen auszugleichen. Letztere kommen dann aber schnell wieder zurück.

Was ist deiner Meinung nach der Hauptgrund für Schmerzen bei der Menstruation?

Kurz gefasst: Stress in jeglicher Form. Dabei ist es allerdings wichtig zu verstehen, dass Stress nicht nur die hundert ungelesenen E-Mails im Postfach oder der anstehende Besuch der Schwiegermutter ist. Stress kann auch durch schlechte Ernährung verursacht werden. Durch eine zu hohe toxische Belastung.

 

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Und durch zu geringe oder zu hohe Kalorienaufnahme. Durch zu viel oder zu wenig Bewegung. Oder durch zu wenig Schlaf. All das sind Beispiele für Faktoren, die unseren Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen und somit Symptome wie unter anderem Menstruationsschmerzen verursachen können.

Langfristig die weiblichen Hormone ins Gleichgewicht bringen

Was können Frauen beachten, um sich gesundheitlich in Balance sein?

Eigentlich sind es oft genau diese „Basics“, die den Unterschied machen, wie mindestens sieben bis acht Stunden erholsamen Schlaf pro Nacht. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend guten Fetten, Proteinen und nährstoffreichen Lebensmitteln. Dazu viel frisches Wasser, um eine gute Entgiftung zu gewährleisten, ca. zwei bis drei Liter am Tag.

Ausreichend Bewegung, z.B. zwei bis drei Sporteinheiten pro Woche und mindestens 10.000 Schritte am Tag, ist auch sehr wichtig. Außerdem sollten möglichst Naturkosmetik und natürliche Haushaltsprodukte genutzt werden, um die eigene Toxinbelastung zu reduzieren.

Können Frauen lernen, mit diesen Schmerzen umzugehen, sie sogar loszuwerden?

Absolut! Schmerzen sind immer ein Zeichen des Körpers, dass etwas aus der Balance geraten ist und Aufmerksamkeit fordert. Was mir extrem wichtig ist, dass Frauen verstehen, dass diese Schmerzen NICHT normal sind. Sie gehören NICHT zum Frausein mit dazu. Und keine Frau muss lernen, damit umzugehen. Ein schmerzvoller Zyklus ist kein gesunder Zyklus.

Unser Körper ist hochintelligent und schmerzt nicht grundlos, um dir das Leben schwer zu machen. Vielmehr ist es ein Schrei nach Hilfe. Heißt: der einzige sinnvolle Weg ist es, den Schmerzen auf den Grund zu gehen und diese an der Wurzel zu bekämpfen. So wirst du sie nachhaltig los und schützt deinen Körper langfristig auch vor chronischen Krankheiten.

Denn Symptome, die zu lange ignoriert und überspielt werden, entwickeln sich nicht selten in schwerere Erkrankungen.

Ernährung und weibliche Gesundheit in der Gesellschaft

Was muss sich gesellschaftlich an der Einstellung zur Periode und Menstruation ändern?

Die Menstruation muss entstigmatisiert werden! Sie ist nichts „Dreckiges“ oder „Ekliges“, wofür Frauen sich schämen sollten. Ganz im Gegenteil, eine regelmäßige Blutung ist ein Zeichen für Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und Gesundheit. Keine Frau sollte das Gefühl haben, ihre Periode verstecken zu müssen.

Leider wird es aber oft jungen Mädchen direkt oder indirekt so vorgelebt. In meinen Augen sollten wir dafür sorgen, dass der weibliche Zyklus kein Tabu-Thema mehr ist, sondern zelebriert wird, besonders von uns (Schöpfer)frauen selbst.

 

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Welchen Umgang mit weiblicher Gesundheit wünschst du dir in der Gesellschaft?

Frauengesundheit hat in der Gesellschaft leider immer noch viel zu wenig Platz. Zum Beispiel werden fast alle medizinischen Studien ausschließlich an Männern durchgeführt, da wir als Frauen mit unserer zyklischen Natur schwer vergleichbar sind.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass Studienergebnisse und z.B. daraus resultierende empfohlene Medikamentendosen nicht auf Frauen abgestimmt sind und in manchen Fällen dadurch sogar für weibliche Patienten potenziell gefährlich werden können.

Frauen sind keine Männer mit Brüsten!

Wir sind keine Männer mit Brüsten, sondern funktionieren in vielerlei Hinsicht wirklich ganz anders. In diesem Zusammenhang würde ich mir sehr viel mehr Transparenz und Fokus wünschen und viel mehr Forschung im Bereich der Frauengesundheit. Wir sind schließlich keine Minderheit, sondern machen rund 50% der Weltbevölkerung aus.

Was können Männer speziell tun, um Frauen in ihrer weiblichen Gesundheit zu unterstützen?

Das Erste was mir hier in den Kopf kommt ist: Setzt eure Frauen nicht unter Druck und lasst sie vollkommen eigenständig entscheiden, wie sie mit ihrem Körper umgehen möchten! Klingt vielleicht banal, aber doch höre ich nicht selten von Frauen, die sich zum Beispiel von ihrem Partner unter Druck gesetzt fühlen. Z.B. dahingehend, hormonell zu verhüten und damit natürlich auch die Folgen des Ganzen tragen.

Um die Beziehung nicht zu gefährden, entscheiden sie sich dann häufig für Lösungen, die sich eigentlich nicht gut und stimmig anfühlen und das macht mich traurig. Ein liebevoller Partner sollte hier Respekt walten lassen und das Wohl seiner Partnerin an erste Stelle setzen.

Du bist weltweit zum Lehren und Lernen unterwegs – was können sich deutsche Frauen von anderen Ländern hinsichtlich gesunder Weiblichkeit abschauen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle voneinander lernen können. Wir alle machen Fehler und gleichzeitig machen wir auch alle verdammt viel richtig. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist aus meiner Zeit in Brasilien, ist wie stolz und bedenkenlos viele Frauen ihren Körper zeigen, und zur Schau stellen, no matter the size. An brasilianischen Stränden scheint sich kaum eine Frau darüber Gedanken zu machen, ob sie nun die perfekte Bikinifigur hat oder nicht, und das hat mir echt gut gefallen.

Aktuell lebe ich in den Niederlanden und die holländische Kultur ähnelt der deutschen doch sehr stark. Dennoch habe ich oft das Gefühl, dass Sexualität und wilde Weiblichkeit hier weniger tabuisiert und mehr zelebriert werden. Auch das finde ich großartig.

Zu guter Letzt – was sind deine Tipps für Ernährung und weibliche Gesundheit?

Fünf Tipps für Ernährung und weibliche Gesundheit

  1. Keine Angst vor (guten) Fetten. Diese sind zum Beispiel unfassbar wichtig für die Hormonproduktion und Gehirnfunktion.
  2. Auch Kohlenhydrate sollten kein Tabu sein – versuche diese aber komplex zu halten. Heißt: Kürbis statt Pizza und Quinoa statt Croissant.
  3. Toxine sind der absolute Hormon-Killer! Gewisse Faktoren wie Luftverschmutzung können wir leider nicht beeinflussen, aber viele Dinge haben wir doch selbst in der Hand. Viele Frauen bemerken erstaunliche Verbesserungen in Bezug auf ihren Hormonhaushalt (z.B. weniger Regelschmerzen und regelmäßigere Zyklen), wenn sie zum Beispiel Naturkosmetik und natürliche Putzmittel statt herkömmliche Produkte nutzen und mehr Bionahrung essen (weniger giftige Pflanzenschutzmittel). Aber auch durch Kleidung aus Kunstfasern werden viele Mikroplastikelemente über die Haut aufgenommen. Fazit – je natürlicher, desto besser!
  4. Höre auf DEINEN Köper! Every body is different. Wenn es um Ernährung geht, gibt es keine „one size fits all“ Lösung. Was deiner Freundin gut tut, ist für deinen Köper vielleicht alles andere als ideal.
  5. Mach dich nicht verrückt – du musst nicht immer alles perfekt machen! Wie fast immer im Leben gilt auch hier die 80-20 Regel: Wenn du 80% der Zeit gesund lebst und gut für dich und deinen Körper sorgst, kannst du auch 20% der Zeit ohne schlechtes Gewissen mal in vollen Zügen genießen und sündigen.

 

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Vielen Dank für das Interview, Anna!

Anna Catharin Heil ist Gesundheitsexpertin, Ernährungsberaterin, Coach, Atemtherapeutin und Speakerin. Ernährung und weibliche Gesundheit sind dabei ein zentrales Themenfeld. Annas Leidenschaft ist es, Frauen und auch Männer auf ihrem Weg zu einem glücklicheren, gesünderen und erfüllteren Leben zu begleiten. Über ihre Arbeit sagt Anna: „Meine Mission ist es, Menschen durch nachhaltigen Wandel zu mehr Wohlbefinden zu verhelfen.“ 

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Die Autoren

Imke

Imke ist Mutter von drei Mädchen im Alter zwischen knapp einem und sechs Jahren. Auf moderne-familie schreibt sie gerne über das Muttersein, Konzepte von moderner Familie, Familienreisen und die heutige Rolle der Frau und Mama.

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