Kindern Kunst näherbringen – so lässt sich spielerisch Wissen vermitteln
Kunst beginnt nicht erst im Museum, sondern oft schon am Küchentisch. Wir zeigen euch, wie Kinder mit Farbe, Neugier und etwas Freiraum ganz nebenbei eine Menge lernen. Ihr möchtet Kindern Kunst näherbringen? So lässt sich spielerisch Wissen vermitteln.
Ein Klecks Farbe, ein Stück Pappe, ein neugieriger Blick: Mehr braucht es oft nicht, um Kindern Kunst näherbringen zu können. Kinder gehen ohne Scheu an Bilder heran und stellen Fragen, auf die Erwachsene selten kommen.
Genau diese Offenheit könnt ihr nutzen. Hier findet ihr Ideen für zu Hause, für unterwegs und fürs Museum, dazu ein paar Tipps für entspannte Kunstmomente.
Kinder malen, kneten und bauen, lange bevor sie lesen oder schreiben können. Für sie ist Gestalten eine Art, die Welt zu begreifen und eigene Gedanken sichtbar zu machen. Wenn ein Kind Farbe verwischt oder einen Turm aus Kartons baut, trifft es ständig kleine Entscheidungen über Farbe, Form und Material. Ganz nebenbei übt es dabei Feinmotorik, Ausdauer und Vorstellungskraft.
Wie ihr diese Neugier im Alltag aufgreifen könnt, zeigen die folgenden Ideen.
Kindern Kunst näherbringen im Familienalltag
Wer Kindern Kunst näherbringen möchte, braucht dafür weder Fachwissen noch teures Material. Wichtig ist vor allem, dass Kunst einen festen und entspannten Platz in eurem Alltag bekommt.
Selbst gestalten und experimentieren
Schon die Kleinsten haben Freude an Fingerfarben, Kartoffelstempeln oder Falt- und Strohhalmbildern, bei denen jedes Ergebnis anders aussieht.
Für ältere Kinder lohnt sich eine eigene Mal- und Bastelecke, in der alles griffbereit liegt. Dort dürfen sie jederzeit loslegen, ohne vorher fragen zu müssen. Folgendes sollte nicht fehlen:
verschiedene Stifte, Wachsmalkreiden und Wasserfarben mit dickem Pinsel
Papier, Pappe und Wellpappe, gern auch einseitig bedruckt
Kinderschere, Klebstoff, Klebefilm und Knete
leere Papprollen, saubere Joghurtbecher und Stoffreste
Bilder gemeinsam betrachten
Kunst erschließt sich Kindern auch über das Anschauen. Bilderbücher, Postkarten oder Kunstdrucke eignen sich gut, um miteinander ins Gespräch zu kommen.
Stellt dabei offene Fragen, etwa danach, was gerade passiert oder wie sich eine Figur fühlt. So lernt euer Kind, genau hinzusehen und eigene Deutungen zu finden.
Museen als Entdeckungsort nutzen
Ein Museumsbesuch wird für Kinder spannender, wenn er kurz bleibt und ein Ziel hat. Sucht euch vorher zwei oder drei Werke aus, statt alle Räume abzulaufen.
Kleine Suchaufträge helfen ebenfalls, etwa ein Tier, eine blaue Tür oder ein lachendes Gesicht zu finden. Viele Häuser haben außerdem eigene Angebote für Familien, nach denen ihr an der Kasse fragen könnt.
Künstlerinnen bewusst mit entdecken
Beim Anschauen lohnt sich auch ein Blick darauf, wer ein Bild gemalt hat. Künstlerinnen wurden in der Kunstgeschichte lange übersehen, und ihre Werke kamen oft zu kurz. Ein Beispiel ist Gabriele Münter aus dem Kreis des „Blauen Reiters“. Weil die Akademien in München und Düsseldorf damals keine Frauen aufnahmen, musste sie außerhalb davon lernen.
Lange galt sie vor allem als Partnerin von Wassily Kandinsky. Heute führt etwa die Galerie Paffrath in Düsseldorf die Malerin in ihrem Programm. Erzählt euren Kindern solche Geschichten, damit sie früh merken: Große Kunst stammt genauso von Frauen.
Ideen für unterschiedliche Altersgruppen
Damit ihr leichter einschätzt, was zu eurem Kind passt, haben wir einige Ideen nach Alter sortiert. Die Übergänge sind natürlich fließend.
Alter
Ideen zum Ausprobieren
Worum es geht
1–3 Jahre
Fingerfarben, Kartoffelstempel, Riesenbilder auf Tapete
Farben und Material mit allen Sinnen erleben
3–6 Jahre
Mal- und Bastelecke, Fensterfarben, Figuren kneten
Eigene Ideen umsetzen und Techniken ausprobieren
6–10 Jahre
Museum mit Suchauftrag, Stil von Künstler:innen nachahmen
Werke vergleichen und darüber sprechen
Mit diesen Anregungen habt ihr schon eine Menge Material. Damit die Begeisterung auch anhält, helfen ein paar einfache Grundregeln.
Tipps, wie ihr Kindern Kunst näherbringen könnt
Am wichtigsten ist eure Haltung. Kinder merken schnell, ob es um Freude am Gestalten geht oder um ein vorzeigbares Ergebnis.
Verzichtet deshalb auf Bewertungen wie „schön“ oder „falsch“. Fragt lieber nach, was euer Kind gemalt hat und wie es dabei vorgegangen ist.
Wenn ihr mit Fensterfarben auf Glas oder Fliesen malt, achtet auf sicherheitsgeprüfte Mal-Utensilien. Und malt selbst mit, denn wenn Eltern Kindern Kunst näherbringen, wirkt echte Begeisterung oft mehr als jede Erklärung.
Nicht alles muss sofort klappen. Probiert aus, was zu euch passt, und bleibt entspannt dran.
Kunst gehört in den Familienalltag, nicht nur ins Museum. Mit etwas Material, offenen Fragen und Geduld könnt ihr Kindern Kunst näherbringen, ohne dass es nach Unterricht aussieht.
Am Ende zählt, dass euer Kind die Freude am Gestalten behält. Das Wissen über Farben, Formen und Werke wächst dann Schritt für Schritt mit.
Häufige Fragen rund ums Thema
Zum Schluss beantworten wir noch einige Fragen, die Eltern häufig stellen.
Ab welchem Alter können wir mit Kunst starten?
Sobald euer Kind Farbe oder Knete in die Hand nehmen mag, kann es losgehen. Für die Kleinsten eignen sich Fingerfarben und große Papierflächen besonders gut.
Was tun, wenn unser Kind keine Lust aufs Malen hat?
Dann zwingt es nicht. Vielleicht mag es lieber kneten, bauen oder Bilder anschauen, denn Kunst hat viele Formen.
Müssen wir selbst etwas von Kunst verstehen?
Nein, Fachwissen ist keine Voraussetzung. Eure Neugier und echtes Interesse an den Ideen eures Kindes sind viel wichtiger.
Jonny ist in einer Familie mit fünf Kindern großgeworden und heute selbst dreifacher Vater. Er bloggt auf moderne-familie.de am liebsten über das Vatersein, Familienreisen, leckeres und gesundes Essen – und über das Image von Familie in Medien und Gesellschaft.