Gesunde Schultüte füllen

Gesunde Schultüte füllen? Supermarktkette macht sich mit Werbung lächerlich

Für viele Kids beginnt in Deutschland aktuell ein neuer Lebensabschnitt – der erste Schultag steht bevor. Dazu gehört hierzulande eine Schultüte, die prall gefüllt werden will. Traditionell landen zahlreiche Süßigkeiten in der Tüte, heutzutage lässt sich aber auch leicht eine Variante finden, die lecker und gesund ist, möchte man meinen. Die REWE-Group sieht das offenbar anders und schlägt in einem aktuellen Prospekt eine abenteuerliche Begleitung für den Schulalltag vor, wie Gesundheitsexpertin Dr. Marisa Hübner beeindruckend herausgestellt hat. Gesunde Schultüte füllen? Diese Supermarktkette hat sich mit ihrer Werbung lächerlich gemacht.

Heutzutage spalten sich in Deutschland viele Geister, wenn es um das Thema Ernährung in der Familie geht. Auf moderne-familie.de liegt uns bekanntlich eine möglichst ausgewogene und gesunde Kost am Herzen. Als Eltern haben wir uns angewöhnt, einfach kaum ungesunden Süßkram zu Hause zu haben, damit unsere Kids den erst einmal nicht als Normalität kennenlernen.

Uns ist klar, dass das nicht ewig so funktionieren wird, denn die Welt ist schlecht, äh, überzuckert. Bei feierlichen Anlässen, Besuchen bei Freunden etc. darf auch durchaus etwas mehr genascht werden. Ansonsten schauen wir aber, dass wir z.B. Schokolade mit viel Kakao kaufen und, anstatt (als Vegetarier:innen) Gummibärchen anzubieten, auf Alternativen zurückgreifen, die zumindest einen hohen Fruchtanteil haben, wie in diesem Artikel besprochen wird.

Gesunde Schultüte befüllen? Ist gar nicht so schwer

Gesunde Schultüte füllen? Das ist wirklich keine so große Kunst. Auch bei der Einschulung unserer Großen haben wir darauf geachtet, dass eine gute Mischung in der Schultüte landet. Wir haben vor allem schöne Sachen zum Basteln, Spielen und Lernen hineingegeben. Natürlich auch etwas Süßes, das aber von der Menge her überschaubar war und, wie bei uns üblich, eher aus der gesünderen Bio-Ecke kam.

Am Tag der Einschulung war ohnehin alles so aufregend, dass der Inhalt der Schultüte kein so große Rolle gespielt hat. Am Nachmittag gab es noch selbst gemachten Kuchen mit guten Zutaten und dann waren die Bäuche voll und unsere Große gut zufrieden. Die nützlichen Dinge aus der Schultüte halten teilweise bis heute. Was man von Zuckertüten sicher nicht hätte behaupten können.

Wir wissen selbstverständlich, dass nicht alle so einen Fokus auf gesunde Ernährung legen. Das ist am Ende auch eine individuelle Entscheidung. Wichtig ist es aber sicher, dass sich gerade junge Eltern über die richtige Ernährung informieren. Denn wenn man der Werbung blind vertraut, landet viel Quatsch auf dem Tisch oder in der Tüte. Darauf hat kürzlich die Ernährungsexpertin Dr. Marisa Hübner in einem Beitrag auf LinkedIn sehr beeindruckend hingewiesen.

Gesunder Schulstart? Supermarktkette macht sich lächerlich

Wir haben sofort Kontakt mit der Expertin aufgenommen und Marisa hat uns netterweise direkt grünes Licht gegeben, dass wir ihren Beitrag hier nochmals veröffentlichen dürfen. Auch das folgende Foto stammt aus dem Posting – wir wünschen eine interessante Lektüre!

Gesunde Schultüte füllen

Von Dr. Marisa Hübner 

Liebe REWE Group…

Sind das die Lebensmittel, mit denen die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Konzentrations- und Lernfähigkeit unserer Kinder kurz-, mittel- und langfristig gefördert werden soll?

Was ich in eurem Flyer als „leckere Begleiter für den Schulalltag“ finde, sind:

1. hochverarbeitete Lebensmittel mit viel Salz, Zucker und Fett → Haupt-Ursachen für die häufigsten Zivilisationskrankheiten in Deutschland und daher kein Top-Tipp für die Schultüte.

2. Lebensmittel mit Palmfett, Transfetten, Glucose-Fructose-Sirup, Konservierungs- und Zusatzstoffen → neben den teilweise gesicherten gesundheitsschädlichen Effekten auf jeden Fall nicht gesundheitsförderlich.

3. Lebensmittel, die süchtig machen und die Geschmacksknospen von Kindern mit Sicherheit nicht auf „wirklich gesunde Nahrungsmittel“ einstellen.

4. Lebensmittel, welche von der WHO als krebserregend eingestuft werden (Wurstwaren) und sich damit im Gesundheitsranking neben den Zigaretten bewegen.

5. Lebensmittel, die in viel Verpackungsmüll gewickelt sind, der beim nächsten edukativen „Clean-Up“ von Spielplätzen und Sandstränden aufgelesen werden kann.

Möglicherweise ist das die Realität in vielen Schultüten! Ein Grund mehr, diese Nahrungsmittel eben nicht für den Schulalltag zu bewerben!

Ich wünsche mir mehr Verantwortung!

  • Verantwortung von Unternehmen wie REWE Group, Lebensmittel-Verkäufern und -Produzenten, die für die Qualität unserer Nahrungsmittel, deren Auswahl, Angebot und Bewerbung verantwortlich sind.
  • Verantwortung vom Gesetzgeber, dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, der den größten Hebel hat, wenn es darum geht, richtige Anreize zu setzen (Besteuerung, Einbezug von externalisierten Kosten, Lebens-Kennzeichnung, Gütesiegel…).
  • Verantwortung von uns selbst, die wir mit unseren Kauf- und Essentscheidungen einen immensen Unterschied für die persönliche und planetare Gesundheit machen.

Es gibt noch viel zu tun, wenn es um die Ernährungswende geht – die gute Nachricht: Wir können heute Mittag damit anfangen, zum Beispiel beim Lunch oder bei den Besorgungen für die Schultüte.

Gesunde Schultüte füllen? Nein, so wirklich nicht…

Wow, wenn das nicht eine messerscharfe Analyse ist!? REWE ist fraglos nicht das einzige Unternehmen, das mit ungesundem Inhalt für Schultüte und Tornister wirbt. In der Masse an unpassenden Produkten sticht diese Werbung aber sicher heraus. Das sah auch ein Großteil der LinkedIn-Community so.

Interessanterweise wollten aber selbst nach der sehr treffenden Analyse einige Leser:innen auf LinkedIn nicht wahrhaben, dass diese Art der Ernährung einfach nicht ins Jahr 2022 gehört – und auch schon früher Unsinn wahr. Auf eine Erwiderung hat Marisa so treffend reagiert, dass wir ihre Punkte ebenfalls zitieren möchten. [In eckigen Klammern geben wir, wenn nötig, Infos zum vorhergehenden Kommentar.]

Danke für das Teilen Ihrer Meinung!

  1. Leider wissen die Eltern in vielen Fällen auch nicht, was gesund ist.
  2. Leider sind die Zutaten dieses [gesund aussehenden] Brotes nicht beworben (Vollkornbrot, Gurke, Tomate, Radieschen – letztere aktuell sogar für 44 Cent im Angebot – fehlen vollkommen)
  3. Das [s Kids so etwas nicht täglich essen] können wir alle hoffen, ich kann aus meinem Klinikalltag sagen, dass auch viele Erwachsene diese Dinge jeden Tag essen und frage mich dann, warum Kinder das nicht tun sollten, wenn Eltern doch Ihrer Meinung nach die Vorbilder sind
  4. Nur falls ich hier etwas falsch verstanden haben sollte. Freie Zucker ist nicht gleichzusetzen mit dem Makronährstoff Kohlenhydrat, welcher einen Großteil unserer täglichen Energiezufuhr ausmachen sollte! Mahlzeiten finde ich super, leider nicht allzu selten durch Snacking ersetzt.
  5. Von Verboten [die zu Heißhunger führen könnten] hat keiner gesprochen, aber von Verantwortung auf allen Seiten, die den Rahmen gibt für einen bewussten und gesunden Konsum.
  6. P.S. Intuition beim Essen finde ich super. Wenn nicht gerade das durch Zucker verwirrte Darmmikrobiom den Ton angibt.

Vielen Dank für die Analyse und die Möglichkeit, sie hier zu teilen, Marisa! 

Über Dr. Marisa Hübner

Marisa HübnerDr. Marisa Hübner ist Fachärztin für Innere Medizin, Ayurveda und Ernährung. Vor knapp 20 Jahren begann sie Medizin zu studieren, mit dem Wunsch, Menschen gesund zu machen. Als Fachärztin für Innere Medizin im Krankenhaus realisierte sie, dass Schulmedizin, vor allem in ihrem Fachgebiet, in vielen Fälle die Behandlung von Symptomen und Krankheiten bedeutet, aber der Mensch als Ganzes und die Ursachen seiner Beschwerden aus dem Blick geraten. Dieser Ansatz erschien ihr unvollständig, weswegen sie neben dem Facharzt in Innerer Medizin Ayurvedamedizin studierte und sich in Ernährung, Yoga und Naturheilkunde weitergebildet hat und weiterbildet. Heute möchte sie mit diesem Wissen Menschen in Ihrer Gesundheit bestärken, sodass jede:r aus dieser inneren Stärke sein volles Potenzial leben kann. Mit ihrer Webseite Ahara möchte Marisa anderen ihr Wissen und hilfreiche Tools an die Hand geben, die dabei unterstützen, die eigene Gesundheit, den eigenen Körper und den Geist wohl zu nähren.

Schlagworte: Gesunde Schultüte befüllen

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Die Autoren

Imke und Jonny

Imke und Jonny sind Eltern von drei Kindern und bloggen auf moderne-familie.de über ihren Lebens- und Familienalltag – von gesundem Essen über Familienreisen bis zu Erziehungsfragen. Außerdem befassen sie sich in Interviews und Fachbeiträgen mit Familienkonzepten im Wandel.

Intro

Newsletter