Weniger mit Kindern schimpfen

Weniger mit Kindern schimpfen – Tipps und Hintergründe

Alle Eltern kennen das. Wir haben etwas mit den Kindern oder für sie geplant, aber es klappt nicht, wie wir uns das vorgestellt haben. Wohl die meisten von uns fangen dann an zu schimpfen oder zu meckern. Mal mit uns selbst, mal mit dem oder der Partner:in. Und leider auch oft mit den Kindern. Dass das selten hilft, wissen wir unterbewusst vermutlich schon lange selbst. Dass es sogar zum Gegenteil führt, haben Wissenschaftler:innen auch längst herausgefunden. Weniger mit Kindern schimpfen – hilfreiche Tipps und wichtige Hintergründe.

Morgens muss alles schnell gehen, doch die Kids machen kaum oder gar nicht mit? Wir Eltern sind im Stress und schon geht das Gemecker los. Je nach Alter können auch Kinder ordentlich (mit-)schimpfen. Gerade bei kleineren Kindern sind es aber oft die Eltern, die im Alltag oft mit dem Nachwuchs schimpfen.

Weniger mit Kindern schimpfen – das ist zu beachten

Schimpfen kommt gelegentlich vor, ganz lässt es sich vermutlich nie vermeiden. Wir Eltern sollten dabei aber einige Punkte beachten, die mit der seelischen Gesundheit unserer Kinder zusammenhängen. Denn gerade die ersten Jahre zwischen Eltern und Kind prägen maßgeblich die gemeinsame Zukunft. Und das hat Auswirkungen bis hin zu der Zeit, in der sich die Kinder vielleicht eines Tages auch um uns als alte Eltern kümmern.

Warum ist es so, dass Schimpfen wenig hilft und (viel) schadet? Es gibt drei zentrale Gründe dafür, dass das Schimpfen mit Kindern kaum hilft und vor allem Nachteile für alle Beteiligten mit sich bringt. Wenn wir Eltern diese im Hinterkopf haben, fällt es oftmals leichter, auf das klassische Schimpfen zu verzichten. Die drei wesentlichen Gründe, warum Schimpfen oft kontraproduktiv ist, im Überblick:

Warum sollten Eltern nicht mit ihren Kindern schimpfen?

  1. Kinder denken anders als Erwachsene
  2. Kinder schalten schnell auf Durchzug
  3. Kinder sind extrem verletzlich

Kinder denken anders als Erwachsene

Gerade kleine Kinder denken und fühlen völlig anders als wir Erwachsenen. Sie sind noch viel häufiger in ihrer ganz eigenen Gedankenwelt. Dort regieren keine Arbeitsaufgaben oder Zeitpläne, sondern Piraten, Drachen oder Elfen. Das ist auch gut so. Kids mit der Logik von Erwachsenen zu kommen, hilft daher häufig wenig.

Die Gedankenwelt der Kinder besuchen

Besser ist es in vielen Fällen, kurz in die Fantasiewelt einzutauchen, um z.B. zu erklären, dass jetzt auch in der Elfenwelt Abendessenszeit ist. Das soll nicht heißen, dass Erwachsene auch ihre Gefühle äußern dürfen und aus ihrer Sicht betonen sollten, warum sie wie fühlen. Doch zu komplexe Erklärungen und komplizierte Logik führen selten ans Ziel.

Kinder schalten schnell auf Durchzug

Wer kennt das nicht: Wir sprechen ernst, vielleicht sogar schon wütend, mit den Kleinen, die aber schauen uns an, als sprächen wir eine andere Sprache. Wenn Eltern mit Wut und Zorn auf Kinder einreden oder sogar -schreien, schalten die Kleinen ab, weil sie damit nicht umgehen können.

Die Nachricht kommt überhaupt nicht an!

Das Ergebnis: Die Nachricht kommt überhaupt nicht an. Das macht die Eltern dann oft noch wütender. Und der Zug der gemeinsamen Kommunikation ist abgefahren. Entsprechend ist es empfehlenswert, sich vor einem Wutausbruch zu bremsen. Und besser kindgerecht zu formulieren, warum es jetzt wichtig ist, zusammenzuhalten und gemeinsam etwas zu schaffen.

Kinder sind extrem verletzlich

Das Kind scheint sich kaum um unsere Planung zu kümmern? Es folgt nicht die gewünschte Reaktion auf das eigene Handeln? Dann neigen viele Eltern dazu, noch lauter zu werden oder schärfer zu kritisieren. Wie oben gesehen, bringt das nichts, weil die Kinder häufig die Logik ihrer Eltern nicht verstehen oder abschalten, wenn der Ton zu streng wird.

Investitionen in die künftige Beziehung

Ein weiterer Punkt ist in Hinblick auf die langfristige Beziehung von Eltern und Kind(ern) beachtenswert. Kinder sind ausgesprochen verletzlich und nehmen sich Kritik ihrer Eltern sehr zu Herzen. Das ist ein Widerspruch zum Argument, dass Kinder die Kritik ihrer Eltern oft nicht verstehen oder inhaltlich annehmen können?

Schimpfen als Schädigung der kleinen Seele

Kinder, die oft von ihren Eltern beschimpft oder sogar bloßgestellt werden, verstehen oftmals nicht, warum ihre Eltern so ausrasten, aber spüren natürlich, dass sie etwas nicht richtig machen – oder denken, dass ihre Eltern sie nicht (mehr) mögen. Das ist eine enorme Belastung für die kleinen Seelen, zumal sie so sehr auf ihre Eltern als Bezugspersonen angewiesen sind.

Langfristige Folgen nicht unterschätzen

Vor diesem Hintergrund ist es enorm wichtig, Kindern immer auch das Gefühl zu geben, dass sie geschätzt und geliebt werden. Wenn das nicht passiert, können die Kids kaum ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen.

Das hat Auswirkungen auf das gesamte Leben. Nicht selten leiden Kinder über Jahrzehnte daran, dass ihre Eltern sie schlecht behandelt haben. Das kann auch dazu führen, dass sie im späteren Leben gar keinen Kontakt mehr zu Mutter und/oder Vater haben möchten.

Weniger mit Kindern schimpfen – es geht auch entspannter

Drei Ratschläge geben Fachleuten besonders häufig für einen entspannteren Umgang mit Kindern. Es gibt weitere Herangehensweisen und Eltern sollten hier gut für sich schauen, welche Philosophie ihnen am meisten zusagt. Folgende Fragen finden wir gerade als Eltern von kleinen Kindern in kritischen Situationen sinnvoll. Man kann sie sich gut selbst stellen, wenn man kurz davor ist, streng zu reagieren.

Tipps für den entspannten Umgang mit Kindern

  1. Ist das gerade wirklich so schlimm?
  2. Wie würden wir das Gemecker finden?
  3. Lässt sich das mit Herz anders regeln?

Ist das gerade wirklich so schlimm?

Oder anders gefragt: Was passiert, wenn wir nicht bei jeder Kleinigkeit an die Decke gehen? Häufig passiert genau: nichts. Natürlich sind Regeln wichtig für unsere Kids. Erwachsene müssen Grenzen aufzeigen, sie erklären und immer wieder darauf hinweisen.

Aber in vielen Situationen geht die Welt nicht unter, wenn die Kinder fünf Minuten länger brauchen, sie etwas Wasser verspritzen – oder die falschen Socken kombinieren. Und mit etwas zusätzlicher Gelassenheit macht der Alltag mit (kleinen) Kindern oft deutlich mehr Spaß.

Wie würden wir das Gemecker finden?

Unsere Kindheit ist schon so lange her? Das stimmt. Aber wir wissen auch als Erwachsene genau, wie es ist, mit Geschimpfe konfrontiert zu werden. Besonders Kritik von Menschen, die uns wichtig sind, trifft uns in der Regel sehr.

Wenn wir sie dann noch ungerecht finden, ist die Situation doppelt belastend. Natürlich müssen wir unsere Kinder erziehen, zu ihrem eigenen Segen, für ihre eigene Gesundheit usw. Wenn wir dabei aber einen Weg wählen, der uns selbst guttun würde, klappt das deutlich besser.

Lässt sich das mit Herz anders regeln?

Das führt zur letzten Frage, die wir einsetzen können, um unnötiges Schimpfen zu vermeiden. Wir sollten uns häufiger fragen, ob wir das nicht mit (mehr) Liebe regeln können. Kindern suchen oft unsere Aufmerksamkeit. Sie machen auch gerne mal Quatsch, um überhaupt eine Reaktion von uns zu bekommen.

Dann ist es eine gute Idee, bewusst auf sie einzugehen und ihnen neben Aufmerksamkeit auch ein gutes Gefühl zu geben. Eine Umarmung bewirkt oft viel mehr als eine Schimpftirade. Mit dem Herzen sieht man besser? Auch Erziehung gelingt damit oft deutlich leichter, schöner und erfolgreicher.

Weniger mit Kindern schimpfen – Fazit und Ausblick

Ganz ohne Meckern schaffen es die wenigsten Familien. Wir sind da keine Ausnahme. Aber es hilft, sich mit dem oben angeführten Hintergrundwissen hier und da zu hinterfragen. Natürlich klappt das am Anfang nicht so leicht. Und auch nach langem Üben verfällt man noch in alte Muster.

Der erste Schritt ist aber umso wichtiger. Wenn wir merken, dass unsere Kids mit unserer liebevollen Art besser umgehen können, ist das auch eine super Motivation, noch stärker auf Gemecker zu verzichten. Und der familiäre Zusammenhalt profitiert davon sehr.

Wie man in den Wald ruft…

Ein letzter Hinweis könnte noch hilfreich sein. Ja, wir können gut verstehen, dass sich Eltern – wie wir – im Alltag gestresst fühlen. Gleichzeitig können wir Großen aber vieles (besser) planen, was Kindern gar nicht können. Dazu gehört etwa ein kleiner Zeitpuffer für den entspannten Weg zur Kita.

Was wir auch definitiv besser können als Kinder ist die Kontrolle der eigenen Gefühle. Auch wenn uns das manchmal schwerfällt: Kindern fällt es noch viel schwerer, viele Gefühle sind für sie noch neu und kaum berechenbar. Deshalb müssen wir auch im Umgang mit Gefühlen als gutes Vorbild vorangehen.

Auf diese Weise schimpfen unsere Kids später hoffentlich auch seltener mit uns, wenn wir mal alt und klapprig sind. Und beim Anziehen der Schuhe oder dem Gang zur Toilette etwas länger brauchen…

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Thema Schimpfen in der Familie? Welche Strategie wählt ihr oder habt ihr selbst entwickelt? Habt ihr weitere Tipps oder Vorschläge? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Artikelbild: Unsplash / Mike Scheid

 

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Die Autoren

Imke und Jonny

Imke und Jonny sind Eltern von drei Kindern und bloggen auf moderne-familie.de über ihren Lebens- und Familienalltag – vom Windelwechseln über Familienreisen bis hin Erziehungsfragen. Außerdem befassen sich sie sich in Interviews und Fachbeiträgen mit Familienkonzepten im Wandel.

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